| Sonderausgabe "Gesundheitsmanagement" vom 16.03.98
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Transparenz für die Versicherten
AOK will auf Ärzte und Kliniken hinweisen, die
gute Qualität liefern
Inhalt: Die AOK will das Gesundheitswesen
stärker als bisher mitgestalten, statt nur Beitragsgelder zu verwalten. Wichtig sei eine
hohe Transparenz über Qualität und Wirtschaftlichkeit der Versorgung bei Ärzten und
Versicherten. Mittel, diese zu erzielen, seien Hinweise für Patienten über Ärzte und
Kliniken, die sich erhöhten Qualitätsanforderungen stellen, sowie Leitlinien für die
wichtigsten Behandlungen.
16.03.98 (psg) Die Gesundheitsversorgung gestalten,
statt nur Beitragsgelder verwalten so sieht Peter Kirch, der Vorsitzende des
Verwaltungsrates des AOK-Bundesverbandes, die Rolle der AOK im Wettbewerb unter den
Krankenkassen: "Auf Neudeutsch heißt das, wir entwickeln uns vom Payer zum
Player", so Kirch. Ziel sei es, das Gesundheitswesen stärker in Richtung
Effektivität, Effizienz und Qualität zu steuern. Voraussetzung dafür sei Transparenz:
"Wir wollen Licht in den Dschungel des Anbietermarktes bringen", erklärte Kirch
während des 20. Presseseminars der AOK am 11. und 12. März in Maria Laach.
"Den Kassen muß es erlaubt sein, auf
diejenigen Leistungserbringer ob Ärzte oder Kliniken aufmerksam zu machen,
die sich erhöhten Qualitätsanforderungen stellen", forderte Kirch. "Ich
möchte die Suche nach den Koryphäen im Gesundheitswesen nicht allein dem
Nachrichtenmagazin FOCUS überlassen." Als Anwalt der Versicherten werde die AOK
deshalb in Kooperation mit Verbraucherschützern dafür sorgen, daß die Öffentlichkeit
informiert ist.
Leitlinien schaffen Transparenz
"Ein zentrales Instrument zur Steigerung der
Transparenz sind Leitlinien", so Gert Nachtigal, der alternierende Vorsitzende des
Verwaltungsrates des AOK-Bundesverbandes. Sie machten Ärzten den anerkannten Stand der
medizinischen Erkenntnisse schnell und zuverlässig zugänglich. Und das sei dringend
erforderlich, so Nachtigal, da Ärzte zu häufig diagnostische Maßnahmen durchführten
oder veranlaßten und zu teure Behandlungen ohne zusätzlichen Nutzen wählten, obwohl
bewährte, preisgünstigere Alternativen zur Verfügung stünden. So schätzten bei einer
EMNID-Umfrage Mitte des vergangenen Jahres 25 Prozent der befragten Ärzte, daß häufig
unnötige Arzneimittel verordnet würden, weitere 43 Prozent sahen dies zumindest
gelegentlich als gegeben an.
Das erste Quartal 1995 belege dieses Umfrageergebnis
beispielhaft, so Nachtigal: In diesem Zeitraum stiegen die Arzneiausgaben um 14 Prozent
gegenüber dem Vorquartal, was einem Betrag von 100 Millionen Mark entsprach. Dieser
Anstieg sei vorwiegend durch eine um 35,5 Prozent gestiegene Verordnung von Antibiotika im
Monat März verursacht gewesen. Tatsächlich kursierte in diesem Monat eine Grippewelle.
Doch weder die Grippe selbst noch eine akute Entzündung der Atemwege erfordern die
Verordnung von Antibiotika.
Patienten einbeziehen
Leitlinien sind aber nicht nur für Ärzte von
Interesse: "Auch die Versicherten wollen wissen, nach welchen Kriterien sich
Qualität und Wirtschaftlichkeit der Gesundheitsversorgung bemessen", so Kirch.
Leitlinien und Standards der gesundheitlichen Versorgung müßten deshalb auch für die
Patienten verständlich sein. Kirch verwies auf das Beispiel Niederlande: "Dort gibt
es für die wichtigsten Indikationen sogenannte Compliance-Blätter für die Patienten.
Sie enthalten verständliche Informationen über die Krankheit, Behandlungsmöglichkeiten
und eigenverantwortliches Handeln."
Gesundheitsmanagement braucht den richtigen Rahmen
Dr. Ahrens: Die Politik muß mitspielen
16.03.98 (psg) Steigende Ausgaben, sinkende
Einnahmen die Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind
trotz Gesundheitsreform nicht gelöst. Gesundheitsmanagement könnte die Wende bringen, so
die AOK: Hätten die Kassen den nötigen Handlungsspielraum, könnten sie eine noch
bessere medizinische Qualität und Beitragssätze um die 12 Prozent bieten. Die Redaktion
befragte Dr. Hans-Jürgen Ahrens, den Vorstandsvorsitzenden des AOK-Bundesverbandes, über
dessen Erwartungen an die Politik.
PSG: Welche politischen Rahmenbedingungen
braucht effektives Gesundheitsmanagement?
Ahrens: Am wichtigsten ist die Beibehaltung
des Risikostrukturausgleichs (RSA). Er schafft überhaupt erst die Voraussetzung für ein
sinnvolles Gesundheitsmanagement. Außerdem brauchen die Kassen mehr Spielraum bei der
Vertragsgestaltung. Deshalb müssen die Monopole auf Seiten der Leistungsanbieter fallen.
Wichtig ist auch eine verantwortliche Vernetzung von Patientendaten. Die Politik muß also
auf mehreren Ebenen mitspielen, sonst wird das Gesundheitsmanagement nur schwer seine
volle Potenz entfalten können.
PSG: Kritiker behaupten, der RSA nehme den
Kassen den Anreiz zum wirtschaftlichen Verhalten. Wie begegnen Sie diesem Vorwurf?
Ahrens: Gerade das Gegenteil ist der Fall.
Mit RSA bringt eine Risikoselektion keine Wettbewerbsvorteile mehr: Es ist nicht mehr
attraktiv, sich vorrangig um gut verdienende, nach Möglichkeit kinderlose, in jedem Fall
aber junge Versicherte zu bemühen. Entscheidend ist vielmehr die Effizienz des Kosten-
und Leistungsmanagements. Der RSA lenkt damit Wirtschaftlichkeitsanreize erst auf die
richtigen Aktionsfelder. Er bietet den Kassen den Anreiz, die Versorgung derjenigen
Mitglieder zu optimieren, die den größten Anteil der Leistungen in Anspruch nehmen. Nur
so läßt sich auf Dauer etwa eine angemessene Versorgung für chronisch Kranke sichern.
Es liegt in der Verantwortung der Politik, diese Solidaritätsbasis zu erhalten.
PSG: Sie fordern mehr Flexibilität bei der
Vertragsgestaltung. Reicht Ihnen die Möglichkeit der Strukturverträge nicht aus?
Ahrens: Mit den Strukturverträgen hat der
Gesetzgeber einen Schritt in die richtige Richtung gemacht allerdings einen
zaghaften. Strukturverträge ermöglichen zwar endlich einmal eine Kostendämpfung, die
nicht mit Qualitätsverlusten verbunden ist. Allerdings sind sie aus Sicht der Kassen mit
einem schweren Handicap verbunden: Einzig mögliche Vertragspartner bleiben die
Kassenärztlichen Vereinigungen (KV). Von deren Kooperationsbereitschaft hängt die
Verbesserung der Versorgung der Patienten ab. Die KVen sind aber nicht gerade begierig,
sich im Wettbewerb verschiedener Versorgungsmodelle um Wirtschaftlichkeit und Qualität
der Versorgung zu engagieren.
PSG: Wie beurteilen Sie den erweiterten
Gestaltungsspielraum bei den Modellvorhaben?
Ahrens: Auch hier schränkt das KV-Monopol
unsere Handlungsmöglichkeiten noch zu stark ein. Zum Beispiel nimmt es der AOK die
Möglichkeit, besonders qualifizierte Ärzte für die Mitarbeit an Modellvorhaben
auszuwählen.
PSG: Warum fordern Sie eine Vernetzung von
Patientendaten?
Ahrens: Im Augenblick verfügen die Kassen
nur über einen Teil der Leistungsdaten, die die Versicherten betreffen. Ganze Sektoren
etwa Arzneimittel oder die ambulante Versorgung sind ausgeklammert.
Erfolgreiches Gesundheitsmanagement braucht jedoch zusammengefaßte Daten: Leistungsdaten
müssen mit Diagnosen, Personenmerkmalen etwa Alter, Tätigkeit, und Geschlecht
sowie Kostendaten in großen Mengen verknüpft werden können. Nur auf dieser
Grundlage läßt sich das Versorgungssystem bewerten und danach besser gestalten.
PSG: Kommen Sie damit nicht in Konflikt mit
dem Datenschutz?
Ahrens: Hierfür werden wir zusammen mit den
Datenschutzbeauftragten geeignete gesetzliche Lösungen finden.
Gesundheitsmanagement
im Praxistest
AOK gestaltet hochkomplexe Dienstleistungen
16.03.98 (psg) Zur schnellen Genesung
brauchen Kranke die richtige Behandlung zum richtigen Zeitpunkt. Diesen reibungslosen
Ablauf aller Behandlungsstationen zu erreichen, ist Ziel des Gesundheitsmanagements der
AOK. Graue Theorie? Drei Beispiele zeigen, daß es funktioniert.
Gesundheitsberater gewinnen Zeit zurück
Manchmal müssen Patienten länger im Klinikbett
ausharren, als medizinisch notwendig ist. Ein Grund: Stark belastete Ärzte müssen sich
nebenbei auch noch persönlich um organisatorische Dinge kümmern. Speziell geschulte
Mitarbeiter der AOK nehmen Ärzten und Pflegekräften in Kliniken sowie niedergelassenen
Ärzten deshalb solche Aufgaben ab. Das medizinische Personal gewinnt dadurch Zeit zurück
für seine Ursprungsaufgabe, die Pflege und Behandlung der Patienten. Gleichzeitig können
die Gesundheitsberater der AOK die organisatorischen Aufgaben etwa die Beschaffung
von Krücken oder Laufschienen auch besonders schnell und unbürokratisch
erledigen. Ein doppelter Zeitgewinn ist das Resultat.
Gerade wenn es kompliziert wird, können die
Gesundheitsberater unnötige Wartezeiten spürbar verkürzen. Deshalb setzen sie sich auch
an den Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Therapiebereichen etwa zwischen
Krankenhaus und ambulanter Weiterbehandlung, Rehabilitation oder häuslicher Pflege
für reibungslose Abläufe ein.
Kurzer Draht verkürzt die Wege
Um die AOK-Versicherten im Krankenhaus kümmern sich
mittlerweile etwa 970 AOK-Mitarbeiter in 90 Beratungszentren. Regelmäßiger telefonischer
Kontakt gewährleistet den direkten, kurzen Draht zum Krankenhaus. Weitere 34
Gesundheitsberater sind noch näher dran: Sie sind in ausgesuchten, vorwiegend sehr
großen Kliniken vor Ort im Einsatz, erfragen vorgesehene Entlassungstermine, hinterfragen
Diagnosen und organisieren rechtzeitig Heil- und Hilfsmittel. Ein enger Kontakt mit den
jeweiligen Krankenhausabteilungen und medizinisches Basiswissen ist Voraussetzung für die
vertrauensvolle, unbürokratische Zusammenarbeit mit dem Klinikpersonal. 40 beratende
Ärzte vermitteln den AOK-Mitarbeitern regelmäßig medizinisches Know-how. In besonderen
medizinischen Fragestellungen tauschen sich die beratenden Ärzte direkt mit ihren
Ärzte-Kollegen im Krankenhaus aus. Diese hochkomplexen Dienstleistungen, die die AOK im
Hintergrund erbringt, machen sich für die Versicherten nur als optimale Behandlung
bemerkbar.
Der Hausarzt: Lotse imTherapiedschungel
Weiß der eine Arzt nicht, was der andere tut,
können unnötige Doppeluntersuchungen die Folge sein. Im Hausarztmodell lotst der
Hausarzt deshalb den Patienten durch den gesamten Behandlungsprozeß, behält den
Überblick über die Krankengeschichte und koordiniert alle Teilschritte.
Schon Anfang 1997 fiel der Startschuß für das
AOK-Hausarztmodell in Hessen. 60 Ärzte und etwa 500 Versicherte - Diabetiker oder
Herz-Kreislauf-Kranke - sind daran beteiligt. Als Gesundheitsberater unterstützen
ausgebildete Krankenschwestern oder pfleger die Therapie der Versicherten: Sie geben
Tips zur Lebensführung, motivieren zur konsequenten Behandlung oder beschaffen
Hilfsmittel. Zur Optimierung von Qualität und Wirtschaftlichkeit der Therapie tauschen je
etwa 15 Hausärzte ihre Erfahrungen in Qualitätszirkeln ein- bis zweimal im Quartal aus.
Die Weiterentwicklung dieses Primärarztmodells zum
komplexen Netzmodell ist das Ziel der AOK. Neben der intensiveren hausärztlichen
Betreuung bringt das Netz zusätzlich eine verbesserte Zusammenarbeit von Haus- und
Fachärzten. Fachübergreifende Qualitätszirkel und eine verbesserte Kommunikation mit
EDV-Unterstützung werden die abgestimmte Behandlung eines Patienten noch erleichtern.
Reibungsverluste und unnötige Krankenhauseinweisungen können so weiter reduziert werden.
Diabetes-Projekt gegen Fehlversorgung
Erblindung, Nierenversagen, Herzinfarkt, Amputation
- immer mehr Diabetes-Patienten in Deutschland kämpfen mit schweren Komplikationen. Viele
davon wären vermeidbar, so die AOK, bekäme man Über-, Unter-, oder Fehlversorgungen
besser in den Griff. Mit ihrem Diabetes-Projekt in Thüringen legt die AOK deshalb den
Grundstein zum Aufbau vernetzter Diabetiker-Versorgungsstrukturen. Sie sollen eine
flächendeckende, patientenorientierte Betreuung auf der jeweils notwendigen
Versorgungsstufe ermöglichen.
Mehrere Bausteine machen es möglich: Sogenannte
Behandlungskorridore für die einzelnen Diabetestypen regeln, wann der Patient von einem
Hausarzt und wann er in einer Schwerpunktpraxis betreut werden muß. Medizinische
Indikatoren definieren die Korridore. Eine standardisierte, diagnosebezogene Dokumentation
ist der zweite Baustein. Allein diese wird nach Ansicht der AOK bereits zu einer
deutlichen Verbesserung der Behandlungsqualität von Diabetikern führen: Die
diagnosebezogene Dokumentation kommt einer Diabetes-Fortbildung des Arztes gleich. Drittes
Standbein: Auf Basis eines EDV-gestützten Qualitätsmanagementsystems kann die AOK
erstmals die Qualität der Versorgung flächendeckend messen und bewerten. Diese
Ergebnisse sollen schließlich Basis einer qualitätsorientierten Vergütung der Ärzte
werden. Das Diabetes-Projekt in Thüringen startet am 1. April 1998.
Krankengeldkunden
sehr zufrieden
Persönliche Betreuung beschleunigt Genesung
Inhalt: Krankengeldkunden werden im Rahmen
des AOK-Gesundheitsmanagements bei allen AOKs persönlich betreut. Der Genesungsprozeß
wird beschleunigt und eine frühere Rückkehr an den Arbeitsplatz und zu vollem Gehalt
möglich. Die Versicherten sind mit diesem Service sehr zufrieden und die AOK sparte 1997
fast drei Milliarden Mark an Krankengeld.
16.03.98 (psg) Langwierige Erkrankungen sind doppelt
lästig, sie drücken auf das Gemüt und den Geldbeutel: Wer länger arbeitsunfähig ist,
erhält in der Regel nach sechs Wochen nur noch "Krankengeld" statt Gehalt. Und
das beträgt meist nur 70 Prozent des zuvor erzielten Einkommens. Schnelle Genesung ist
für Arbeitnehmer deshalb besonders wichtig. Durch persönliche Betreuung hilft die AOK
ihren Versicherten, dieses Ziel zu erreichen. Etwa 3.000 speziell qualifizierte
AOK-Mitarbeiter beraten langzeiterkrankte Krankengeldkunden. Die hohe Kundenzufriedenheit
zeige, so die AOK, daß mit diesem Service die Qualität der Versorgung verbessert wurde.
Hinzu komme ein positiver Nebeneffekt: Die AOK konnte 1997 28 Prozent der Ausgaben für
Krankengeld fast drei Milliarden Mark gegenüber dem Vorjahr einsparen.
Feste Ansprechpartner
Im Zentrum der Betreuung steht das persönliche
Gespräch. Als feste Ansprechpartner während der gesamten Phase der Arbeitsunfähigkeit
reden AOK-Mitarbeiter regelmäßig mit den Versicherten über deren individuelle
Situation, ihre Bedürfnisse und Erwartungen sowie darüber, wie sie den weiteren
Krankheitsverlauf selbst einschätzen. Daraus ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten, wie
der Genesungsprozeß beschleunigt und Maßnahmen des Gesundheitswesens besser koordiniert
und zügig aufeinander abgestimmt werden können. Auch Hemmnisse, die einer zügigen
Inanspruchnahme von Rehabilitations-Maßnahmen im Wege stehen, werden aufgedeckt. Hinzu
kommt eine Verkürzung von AOK-internen Laufzeiten und eine Verbesserung des Ablaufs an
Schnittstellen etwa zwischen Krankenhaus und Rehabilitation. So vergingen 1995 bis
zum Beginn einer Reha-Maßnahme im Schnitt 263 Tage; 1997 waren es nur noch 189 Tage.
Die Versicherten honorieren diesen Service mit hoher
Zufriedenheit: Bei einer Umfrage unter 3.229 Krankengeldkunden waren mehr als die Hälfte
der Befragten mit dem neuen Service "sehr zufrieden" bzw. "absolut
überzeugt" weitere 41 Prozent waren "zufrieden". 91 Prozent der
Beratungsgespräche wurden als vertrauensvoll empfunden, 80 Prozent stuften die Beratung
als umfassend, kompetent und objektiv ein.
Neue Software hilft, die richtigen Medikamente zu verordnen
AOK: pharmPRO steigert Qualität und
Wirtschaftlichkeit der Arzneiverordnungen
Inhalt: Sind meine Arzneimittelverordnungen
auf dem neuesten Stand? Weichen sie stark von denen meiner Kollegen ab? Für welche
Indikationen gibt es Alternativen zu Medikamenten, die ich verschreibe die
Antworten auf diese Fragen erhalten Ärzte bei der Beratung durch die AOK. Mit Hilfe der
Software pharmPRO machen ihnen AOK-Beratungsapotheker ihr Verordnungsverhalten transparent
und legen die Basis für mehr Qualität und Wirtschaftlichkeit der Versorgung.
16.03.98 (psg) Mehr als 250 Millionen
Arzneimittel-Rezepte schreiben deutsche Ärzte jährlich allein für AOK-Versicherte.
Unter etwa 44.000 Präparaten müssen die Mediziner das jeweils richtige für ihre
Patienten herausfinden. Angesichts dieser großen Zahl an Medikamenten sowie der ständig
fortschreitenden Erkenntnisse über deren Wirkungen und Nebenwirkungen ist es für Ärzte
nicht einfach, den Überblick zu behalten. Hinzu kommt: In den Medien, die Ärzte lesen,
hat eine pharmakokritische Berichterstattung nur wenig Platz die meisten dieser
Organe finanzieren sich zu einem großen Teil über Anzeigen der Pharmaindustrie. Deshalb
bietet die AOK seit einem Jahr Ärzten die Möglichkeit, ihr Verschreibungsverhalten zu
überprüfen. AOK-Beratungsapotheker analysieren auf Wunsch des einzelnen Arztes dessen
individuelle Verschreibungsdaten mit Hilfe der Software pharmPRO. Nach Meinung der AOK hat
sich diese Beratung zur Steigerung von Qualität und Wirtschaftlichkeit der Versorgung
bewährt.
Nahezu alle AOKs setzen pharmPRO für die Beratung
von Ärzten ein; die noch fehlenden werden im Laufe des Jahres folgen. In 95 Prozent der
Beratungen arbeitet die AOK mit der Kassenärztlichen Vereinigung zusammen; viele Ärzte
melden sich aus eigenem Antrieb für eine Beratung an. Das Wissenschaftliche Institut der
AOK (WIdO) arbeitet bereits an einer Weiterentwicklung des Programms, um die spezifischen
Bedürfnisse von ärztlichen Qualitätszirkeln und Arztnetzen zu berücksichtigen.
PharmPRO erlaubt ein großes Spektrum verschiedener
Untersuchungen. Die Spanne reicht von einem Praxisüberblick über das allgemeine
Verschreibungsverhalten eines Arztes bis hin zu Einzelanalysen ausgewählter
Indikationsgruppen. Solche Auswertungen geben auch Hinweise auf die Verordnungsqualität.
Bisher konnten arztbezogene Auswertungen die "Arzneimittelstatistiken"
fast ausschließlich die Kosten bewerten. Auf die Wirtschaftlichkeit und die
Qualität der Verordnungen ließ sich damit nur schwer schließen. So werden zum Beispiel
bei Hautpilzerkrankungen häufig Kombinationspräparate aus Clotrimazol und Corticoiden
eingesetzt, obwohl Präparate, die nur Clotrimazol enthalten, eine deutlich
kostengünstigere Alternative mit weniger Nebenwirkungen wären.
Beratungsapotheker können anhand der Einzelanalysen
den Ärzten konkrete Hinweise zu alternativen Therapien geben oder auf kostengünstigere
Präparate zum Beispiel Generika aufmerksam machen und so die Qualität der
Arzneimittelversorgung verbessern. Außerdem erhält der Arzt einen Vergleich mit seiner
Facharztgruppe. Dabei wird neben standardisierten Vergleichswerten auch die individuelle
Patientenstruktur der Praxis berücksichtigt. PharmPRO macht es auch möglich,
Arzneimittelprofile einzelner, anonymisierter Patienten zu analysieren. Problematische
Kombinationen in der Arzneimitteltherapie werden so deutlich. |