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GKV-Beitragssatzhöhe - bedarfsgerecht oder politisch festgelegt?

Die Erwartungen könnten kaum unterschiedlicher sein: Während die Arbeitgeber von einem Beitragssatz zur GKV von "unter 15 %" ausgehen, rechnen Vertreter der Krankenkassen und Leistungserbringer mit einem Satz von 15,5 bis 15,8 %.

Aktuell liegt der Beitragssatz zur Gesetzlichen Krankenversicherung bei 14,9 %. "Die Bundesregierung steht vor einem Dilemma", sagt der Münchner Gesundheitsökonom Professor Günter Neubauer, der auch wissenschaftlicher Leiter des 7. Europäischen Gesundheitskongresses München am 9. und 10. Oktober ist. Lege sie einen Beitragssatz von 15,5 % oder darüber fest, belaste sie die Bundesbürger mit neuen Kosten. Setze die Regierung den Beitragssatz zu niedrig an, führe das dazu, dass die Kassen schon bald Zusatzbeiträge für ihre Versicherten erheben müssten, weil sie mit dem zur Verfügung stehenden Geld nicht auskommen. Bereits im ersten Halbjahr 2008 mussten die Kassenvorstände ein Defizit von rund 940 Millionen Euro verbuchen. Aus Sicht der Leistungserbringer - Ärzte wie Krankenhäuser - würde ein niedriger Beitragssatz wiederum bedeuten, dass "sie auf ihren Forderungen sitzen bleiben", sagt Neubauer. Neubauer selber hält einen Beitragssatz in Höhe von 15,5 % für "bedarfsgerecht". "Die Ärzte sollen zweieinhalb Milliarden Euro mehr bekommen, die Krankenhäuser rund drei Milliarden und obendrein sollen 21.000 neue Krankenschwestern mit Kosten von rund 700 Millionen durch die Kassen bezahlt werden." Diese und weitere Posten ließen sich mit 15 % Beitragssatz und weniger auf Dauer nicht solide finanzieren, meint Experte Neubauer. "Ich fürchte aber trotzdem, dass die Regierung den Beitragssatz eher niedrig ansetzt, weil sie die Wähler im Wahljahr 2009 nicht zu sehr aufschrecken will." Seine Prognose: 15,3 %.

Auf dem 7. Europäischen Gesundheitskongress München, der nur einen Tag nach Bekanntgabe des künftigen Einheitsbeitragssatzes beginnt, will Neubauer mit Spitzenvertretern der Politik, der Krankenkassen und der Leistungserbringer über die Folgen des Gesundheitsfonds diskutieren. "Hier sind ja alle unterschiedlichen Interessen vertreten - und das macht diesen Kongress so spannend.". Auf dem Kongress treten unter anderem der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Dr. Klaus-Theo Schröder, die Staatssekretärin im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Melanie Huml, und der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK), auif Auch Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer nimmt teil.

 

(Pressemitteilung der WISO S.E. Consulting GmbH vom 22.09.2008)



 
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